Interview transkribieren: So geht's


Viele Studenten bauen in ihre Bachelorarbeit Interviews ein, die sie mithilfe von Diktiergeräten aufzeichnen. Damit ist es natürlich noch nicht getan. Das Interview muss nämlich noch in die passende Schriftform gebracht werden.

Eine solche Transkription unterliegt Standards, die jeder Studierende einhalten muss. Was es dabei zu beachten gibt, erfährst du, wenn du weiterliest.

Was ist eine Transkription?


Als Transkription bezeichnet man die Verschriftlichung einer Audio- oder Videodatei. Der Begriff kommt von lateinisch transcribere und bedeutet überschreiben, umschreiben. Dabei überträgst du das in der Aufnahme festgehaltene Interview oder Experteninterview mehr oder weniger wörtlich in eine Textdatei. Es gibt verschiedene Arten des Transkribierens. Daher fragst du am besten in deinem Fachbereich nach, welches Transkriptionsformat in deinem Studienfach Vorschrift ist.

Denn so einfach wie bei Zeitungsjournalisten ist das wissenschaftliche Transkribieren nicht: Bei diesen reicht eine sinngemäße zusammenfassende Transkription aus, weil sie nur eine Interview-Kurzversion benötigen. Ist es wichtig, was genau im Experteninterview gesagt wird oder wie es kommuniziert wird, handelt es sich um eine vereinfachte oder lautsprachliche Transkription.

Wofür du eine Transkription benötigst


Schreibst du an deiner Bachelorarbeit oder bereitest du deinen Master vor, ist qualitative empirische Forschung oft unverzichtbar. Und dafür musst du nicht standardisierte Daten erheben, sie analysieren und interpretieren. Deine Interviewpartner sind Probanden einer bestimmten Zielgruppe oder Experten. Ist letzteres der Fall, spricht man von Experteninterviews.

Die Transkription deines Interviews ist deine Forschungsgrundlage und später Teil des nummerierten Anhangs deiner Bachelorarbeit. Übrigens: Interviews sind bei einer Bachelorarbeit die weniger zeitaufwendige wissenschaftliche Alternative zur Studie mit zahlreichen Probanden.

Interview transkribieren: Diese Formate gibt es


Bei deiner Transkription hast du die Wahl zwischen der vereinfachten und der lautschriftlichen Transkription:

Vereinfachte Transkription

Bei der vereinfachten Transkription tippst du das im Interview Gesagte wörtlich und gemäß der Standardorthografie in deine Textdatei. Du verzichtest auf die Wiedergabe von Wiederholungen, Stottern und für deine Bachelorarbeit irrelevanten Bemerkungen. Diese Art des Transkribierens von Interviews eignet sich insbesondere für wissenschaftliche Arbeiten. Der Ursprungstext bleibt erhalten, weil es ausschließlich auf den Inhalt ankommt. Dialekte werden ins Hochdeutsche gebracht, Satzzeichen hinzugefügt.

Lautsprachliche Transkription

Bei der lautsprachlichen Transkription überträgst du das Interview ebenfalls wörtlich in dein Transkript. Allerdings übernimmst du den Dialekt und vermerkst sämtliche sprachlichen Besonderheiten wie Stottern, Betonungen, Wiederholungen, Einwürfe, Wortabbrüche und Gesprächspausen an der betreffenden Stelle. Transkriptionen dieses Formats sind erforderlich, wenn es neben dem Inhalt des Interviews auf die Stimmung, Intonation, Mimik und Gestik ankommt. Das ist beispielsweise in den Fächern Soziologie und Psychologie der Fall.

In einer solchen Transkription sind sogar Bemerkungen wie mhm von Interesse: An dieser Stelle vermerkst du (nachdenklich). Äh bleibt unkommentiert. Lacht der Befragte, fügst du in der jeweiligen Textpassage (lacht) ein. Mit Nachdruck gesagte Wörter schreibst du in Großbuchstaben. In der Linguistik sind Angaben zu Sprachtempo, Sprachmelodie, Tonhöhe und Lautstärke erforderlich. Dialekt oder Umgangssprache müssen entsprechend dem Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA) wiedergegeben werden.

Bei angehenden Printjournalisten reicht es oft aus, eine geglättete Transkription abzuliefern. Du bringst das Gesagte in eine gut lesbare Form, korrigierst Grammatikfehler und fasst die benötigten Textteile zusammen. Auch bei dieser Art der Transkription steht der Inhalt des Interviews im Vordergrund. Die Reihenfolge des Gesagten muss jedoch nicht hundertprozentig eingehalten werden. Begründe aber bitte am Anfang deiner Bachelorarbeit, warum du dich für das jeweilige Transkriptionsformat entschieden hast.

Interview transkribieren: Wichtige Vorarbeiten


Bevor du mit dem Transkribieren beginnst, musst du noch einige wichtige Details in Erfahrung bringen. Sie sind von der Forschungsfrage deiner Bachelorarbeit oder von pragmatischen Erwägungen abhängig:

  • Soll das gesamte Interview transkribiert werden oder reichen für die Fragestellung wichtige Textpassagen aus? Beachte dabei aber bitte, dass du die getroffene Entscheidung begründen musst.

  • Reicht die übliche Zeilenschreibweise aus? Dann folgt auf jede Frage eine Antwort. Mit der Partiturschreibweise kannst du beispielsweise exakt darstellen, wann ein Sprecher dem anderen ins Wort fällt.

  • Ist es für deine Bachelorarbeit wichtig, dass zusätzliche Sprechermerkmale in die Transkription einfließen?

  • Achte bei personenbezogenen Daten auf entsprechende Anonymisierung oder verwende Pseudonyme, damit die Personen nicht identifizierbar sind.

  • Wie viel Zeit hast du für das Transkribieren? Pro Stunde Audiomitschnitt musst du je nach Transkriptionsformat, Aufnahmequalität und Tippgeschwindigkeit mit vier bis zehn Stunden Transkribieren rechnen. Für Videomaterial solltest du noch mehr Zeit einplanen. In der Zeitangabe ist übrigens auch das Korrekturlesen enthalten.

  • Soll das Transkribieren des Interviews mit spezieller Software erfolgen oder ohne? Verzichte aber bitte aus Qualitätsgründen auf Spracherkennungssoftware.

Worauf du beim Transkribieren achten solltest


Die nachfolgenden neun Tipps helfen dir beim Transkribieren der Interviews:

Tipp 1

Beschrifte dein Transkript mit der Bezeichnung deiner Audiodatei und ihrem Datum.

Tipp 2

Transkribiere das Interview für deine Bachelorarbeit möglichst gleich nach der Aufnahme.

Tipp 3

Mach kurze Pausen. Sie frischen deine Aufmerksamkeit wieder auf.

Tipp 4

Beim Transkribieren stößt du sicher auf unverständliche Stellen. Diese enthalten oft Fachausdrücke oder Namen. Mögliche Gründe dafür sind eine schlechte Aufnahmequalität oder undeutliches Sprechen des Befragten oder Interviewers. Hör dir dann die betreffende Stelle so oft an, bis du die Lösung hast. Möchtest du die Lücken erst später ergänzen, trägst du an dieser Stelle nach unv. die jeweilige Zeitmarke ein. Diese findest du auf deinem Diktiergerät.

Tipp 5

Damit du nicht bei jedem Sprecherwechsel den Namen schreiben musst, verwendest du einfach I für Interviewer und B für Befragter. Bei mehreren Personen nummerierst du die Bs durch.

Tipp 6

Nummeriere die Zeilen deines Transkripts. So kannst du später aus deinem Interview zitieren.

Tipp 7

Gib nach jedem Absatz die jeweilige Zeitmarke an und schreibe sie wie folgt: 00.00.00. Sie hilft dir, beim Transkribieren den Überblick zu behalten.

Tipp 8

Beachte bitte, dass häufiges Zurückspulen beim Transkribieren für deine Bachelorarbeit erforderlich, aber auch zeitaufwendig ist.

Tipp 9

Hast du viel zu transkribieren, lohnt sich die Anschaffung eines Fußpedals zur Steuerung deiner Audiodatei.

Interview transkribieren lassen


Hast du dich mit deiner Zeit verplant, kannst du auch einen kostenpflichtigen Transkriptionsservice beauftragen. Du lädst deine Audiodatei auf dessen Webseite hoch und hinterlegst deine persönlichen Daten. Anschließend weist du den Anbieter an, wie er die Transkription vornehmen soll.

Bei extremer Zeitknappheit steht dir ein Expressservice zur Verfügung. Bedenke aber bitte, dass du die fertige Transkription nochmals überprüfen und mögliche Fehler korrigieren musst.


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