Hypothese aufstellen: So machst du's


Schreibst du deine Bachelorarbeit oder Masterarbeit, untersuchst du ein Thema anhand einer Fragestellung. Dafür benötigst du Hypothesen. Sie sorgen dafür, dass du deine Forschungsfrage nicht aus dem Blickfeld verlierst. Hypothesen sind im Unterschied zu empirischer Forschung in theoretischen Arbeiten zwar keine Pflicht, aber sinnvoll.

Was ist eine Hypothese?


Eine Hypothese ist eine begründete Vermutung, die du zu Beginn deiner empirischen Untersuchung aufstellst. Und die eine mögliche Antwort auf die Forschungsfrage deiner Bachelorarbeit darstellt. Diese Annahme testest du in deiner qualitativen oder quantitativen Analyse. Anschließend bestätigst oder widerlegst du sie.

Beim Aufstellen deiner Hypothese gehst du entweder von einem Zusammenhang oder von keinem Zusammenhang zwischen deinen beiden Variablen aus. Deine unabhängige Variable ist dabei die Ursache, die abhängige die möglicherweise eintretende Wirkung. Die Hypothese hilft dir, beim Datensammeln und Aufbereiten systematisch vorzugehen.Es gibt ungerichtete und gerichtete Hypothesen.

Beispiel ungerichtete Hypothese

Bei einer ungerichteten Hypothese stellst du lediglich einen Zusammenhang zwischen zwei Variablen her:

Die Anzahl der in einem Büro vorhandenen Fenster beeinflusst die Arbeitsleistung der Mitarbeiter.

Beispiel gerichtete Hypothese

In der gerichteten Hypothese bewertest du hingegen den vermuteten Zusammenhang:

Je mehr Fenster ein Büro hat, desto höher ist der Output der Mitarbeiter.

Musst du für deine Bachelorarbeit oder Masterarbeit eine Behauptung aufstellen, verwendest du am besten eine gerichtete Hypothese. Denn diese ist für deine empirische Untersuchung aussagekräftiger. Um eine Hypothese aufstellen zu können, musst du folgende Kriterien beachten:

  • Beide Variablen müssen messbar sein.
  • Formulierst du mehrere Hypothesen, dürfen diese einander nicht widersprechen.
  • Wissenschaftliche Annahmen müssen sich widerlegen lassen.
  • Hypothesen müssen sachlich-objektiv und prägnant formuliert sein.

Ob du die angenommene Beziehung zwischen zwei Sachverhalten als Wenn-Dann- oder Je-Desto-Beziehung formulierst, bleibt dir überlassen. Wichtig ist nur, dass du einen gerichteten Zusammenhang definierst. Denn nur gerichtete Hypothesen ermöglichen den Vergleich mehrerer wissenschaftlicher Studien miteinander.

Hypothesen aufstellen: Diese Vorarbeiten sind erforderlich

Um in deiner Bachelorarbeit eine Hypothese formulieren zu können, wählst du eine sinnvolle Fragestellung. Am besten eine, die sich auf einen bisher noch wenig oder überhaupt nicht untersuchten Aspekt deines Themas bezieht. Anschließend suchst du dir möglichst viele Forschungsarbeiten zu deinem Thema heraus und arbeitest sie in Hinblick auf deine Fragestellung durch. Denn das Hypothese Formulieren gelingt dir erst, wenn du über Expertenwissen verfügst.

Nach dem Durcharbeiten deiner Literatur formulierst du deine Forschungsfrage. Und siehst die Literatur nochmals auf Anhaltspunkte durch, die du zum Hypothese Formulieren verwenden kannst. Findest du beispielsweise Hinweise darauf, dass Medikamente einer bestimmten Wirkstoffgruppe bei männlichen und weiblichen Patienten in Bezug auf ein Symptom Y eine unterschiedliche Wirkung haben, könnte das auch bei deinem der Fall sein. Findest du dieses Muster in deinen Experimenten wieder, bestimmst du deine Variablen. Bei dem genannten Beispiel wäre das Geschlecht die unabhängige Variable und die abhängige der Auslöser (das zu untersuchende Mittel).

Stelle zuerst eine ungerichtete Hypothese auf: Das Geschlecht beeinflusst, wie sich Medikament X auf Symptom Y auswirkt. Anschließend musst du eine gerichtete Hypothese formulieren: Bei Frauen kommt es nach der Einnahme von Medikament X zu einem stärker ausgeprägten Symptom Y als bei Männern. Achte bei deiner Wortwahl unbedingt darauf, dass deine Hypothese nachprüfbar ist. Vermeide subjektive und nicht messbare Formulierungen wie schönste Z, sondern schreibe stattdessen beliebteste Z. Und führe anschließend eine Untersuchung durch, um den Grund dafür herauszufinden.

Hypothese formulieren: So gehst du vor

Achte beim Hypothese Formulieren unbedingt auf eine präzise, knappe und verständliche Ausdrucksweise. No-Gos sind

  • Schachtelsätze
  • eine gestelzte Ausdrucksweise
  • ein umgangssprachlicher Stil
  • eine unpassende Wortwahl
Tipp!

Zu lange und kompliziert formulierte Annahmen lenken dich von deiner Forschungsfrage ab. Schreibe Vermutungen als vollständigen Satz und verwende beim Hypothese Aufstellen eine sachliche Sprache. Verzichte dabei auf die Darstellung deiner eigenen Meinung. Formuliere keine bekannten Tatsachen, sondern schaffe einen Mehrwert. Optimal sind pointierte Formulierungen. Möchtest du mehrere Hypothesen aufstellen, ergänzen diese sich gegenseitig oder bauen aufeinander auf.

Musst du für deine Bachelorarbeit oder Masterarbeit eine Hypothese aufstellen, wendest du die induktive oder deduktive Methode an. Je nachdem, ob du qualitative oder quantitative Forschung betreibst. Beim induktiven Verfahren schließt du in deiner Annahme vom einzelnen Fall auf alle Fälle. Führst du eine quantitative Untersuchung durch, leitest du beim Hypothese Formulieren den Einzelfall von einer großen Anzahl von Fällen ab.

Hypothese testen

Um herauszufinden, ob die zu Beginn deiner Masterarbeit oder Bachelorarbeit aufgestellte Hypothese wahr oder unwahr ist, musst du sie testen. Dazu benötigst du eine

  • Nullhypothese (H0)
  • Gegenhypothese (Forschungshypothese, H1)
Nullhypothese

Als Nullhypothese bezeichnet man eine Annahme, die von keinem Zusammenhang zwischen den beiden Variablen ausgeht.

Gegenhypothese

Bei der Gegenhypothese vermutest du, dass es eine direkte Beziehung zwischen beiden gibt.

Das Überprüfen erfolgt mithilfe spezieller statistischer Hypothesentests oder anhand ausgewählter Fachliteratur. Du suchst dir geeignete wissenschaftliche Studien heraus und fasst deren wichtigste Ergebnisse zusammen. Und überprüfst, ob es keinen Zusammenhang gibt (H0) oder H1 zutrifft. Betreibst du eigene empirische Forschung, gehst du mit den erhobenen Daten ebenso vor. Idealerweise ergibt sich dann die Richtigkeit deiner Forschungshypothese. Stellt sich jedoch die Nullhypothese als wahr heraus, gilt auch das als wissenschaftliches Ergebnis. Und fließt in die Benotung deiner Bachelorarbeit ein.

Hypothese in Bachelorarbeit einbinden

Natürlich musst du die Hypothese(n) in deiner Bachelorarbeit auch noch erklären. Du hast dazu zwei Möglichkeiten.

  • Du integrierst sie als Unterkapitel in deine Einleitung: Im ersten Schritt erklärst du deine Fragestellung. Anschließend führst du deine einzelnen Behauptungen auf und erläuterst sie. Du leitest sie theoretisch oder praktisch her. Das ist notwendig, weil du zeigen musst, dass sie auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.

  • Oder du führst sie am Ende des Literatur-Überblicks auf. An dieser Stelle hast du die Gelegenheit auszuführen, wie du deine Annahmen aus der verwendeten Literatur abgeleitet hast.

Im Hauptteil deiner Masterarbeit oder Bachelorarbeit diskutierst du deine Fragestellung anhand deiner empirischen Untersuchung oder bereits vorhandener Studien und verifizierst oder falsifizierst die Hypothesen.

Das Fazit enthält eine zusammenfassende Darstellung deiner Ergebnisse. Dort führst du aus, welche deiner Annahmen du verifizieren konntest und welche sich als unwahr herausstellten. Und nennst mögliche Gründe dafür: An dieser Stelle solltest du außerdem erklären, in welcher Hinsicht diese begründeten Vermutungen zur Beantwortung deiner Fragestellung hilfreich waren.


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