Was ist Peer-Review?

Einleitung


Im Zuge der Corona-Krise hat Wissenschaftsjournalismus einen starken Auftrieb erlebt. Plötzlich behandelten alle Medien inklusive der Boulevardblätter medizinische Studien und versuchten, diese möglichst vereinfacht darzustellen und zu erklären.

Im Zuge dessen fiel auch häufig der Begriff Peer-Review, meistens in Verbindung damit, dass dieses noch nicht stattgefunden hatte. Doch was hat es mit dem Konzept des Peer-Review auf sich und warum ist es so unerlässlich in der Wissenschaft?

Was ist Peer-Review?

Peer-Review bezeichnet ein Verfahren, bei dem ein wissenschaftlicher Text, der zur Veröffentlichung eingereicht wurde, von Fach-Kolleginnen und -Kollegen des Urhebers geprüft wird. Dadurch soll insgesamt ein hoher Qualitätsstandard innerhalb der wissenschaftlichen Community erreicht und Artikel möglichst fehlerfrei werden.

Warum braucht es ein Peer-Review?


Zunächst muss man sich die zugrunde liegenden Begriffe näher ansehen. Peers sind wissenschaftlich Gleichgesinnte oder Kollegen. Review bezeichnet im Englischen eine Überprüfung oder auch Rezension von etwas.

Das Prinzip des Peer-Reviews ist nun also, dass Kolleginnen und Kollegen deinen Artikel, dein Paper oder deine Studie lesen sowie kritisch bewerten und kommentieren. Dabei geht es nicht darum, die Arbeit schlecht zu machen, sondern im Gegenteil, ein solides Peer-Review führt dazu, dass diese Arbeit umso stichhaltiger wird.

Wie läuft das Ganze ab?


Ein Peer-Review findet in der Regel statt, bevor ein Artikel in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wird. Andere Fachkolleginnen und -kollegen beurteilen, ob methodisch sauber gearbeitet und logisch argumentiert wurde. Außerdem können sie beurteilen, ob ein Artikel in in das Programm einer Zeitschrift passt sowie, ob eine entsprechende Relevanz des Themas gegeben ist. Während in einem Peer-Review manchmal geprüft wird, ob der sprachliche Stil dem Medium entspricht, in dem die Veröffentlichung stattfinden soll, spielen Grammatik und Rechtschreibung üblicherweise keine Rolle.

An einem Peer-Review sind in der Regel zwei bis drei fachliche Kolleginnen und Kollegen der einreichenden Person beteiligt. Sie lesen den eingereichten Text sorgfältig und überprüfen ihn auf Logik, Plausibilität und methodische sowie argumentative Korrektheit. Fester Bestandteil des Peer-Reviews ist außerdem ein Feedback, in dem Kritik und Verbesserungsvorschläge Platz finden. Oft muss der Text danach nochmal seitens des Autors oder der Autorin überarbeitet werden.

In seltenen Fällen kann es sogar vorkommen, dass noch Daten nacherhoben oder nachträglich etwas am Forschungsdesign oder am Konzept verändert werden muss. Auch der Vorschlag, Kürzungen am Text vorzunehmen ist denkbar und kommt in der Praxis häufig vor. Welche Personen genau das Peer-Review übernehmen sollen, entscheidet in der Regel ebenfalls die Zeitschrift oder der Verlag, die den Text veröffentlichen wollen.

Welche Probleme können bei einem Peer-Review auftreten?


Um zu verhindern, dass die Arbeit von befreundeten Kolleginnen und Kollegen wohlwollender (oder gehässiger gegenüber ungeliebten Konkurrenten) behandelt wird, gibt es zusätzlich das sogenannte Double-Blind-Peer-Review (oder auch Doppelblindverfahren).

Was ist ein Double-Blind-Peer-Review?

Bei diesem Verfahren ist weder den Überprüfenden bekannt, wer den Artikel verfasst hat, noch dem Autor oder der Autorin, wer den Text überprüft. Auf diese Weise soll eine größtmögliche Neutralität gewährleistet werden. Daneben gibt es auch das einfache Blindverfahren, bei dem lediglich die Überprüfenden anonym sind.

Es gibt auch kritische Stimmen zum Peer-Review, die bemängeln, dass es durch die Anonymität und die dadurch fehlende Transparenz des Verfahrens häufig dazu kommt, dass die Arbeit von Konkurrenten diskreditiert wird. Auch bremst die Praxis des Peer-Review den Publikationsprozess etwas aus, da die Überprüfenden häufig sehr lange Zeit haben, für den Überprüfungsprozess.

Allerdings sind das vergleichsweise kleine Nachteile, die in Kauf genommen werden können für eine funktionierende und leistungsfähige Qualitätskontrolle. Natürlich gilt dafür stets, dass sich die Überprüfenden wirklich mit dem betreffenden Thema auskennen. Außerdem müssen sie so objektiv wie möglich und nach bestem Gewissen arbeiten. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist es wichtig, dass stets mehr als eine Person am Peer Review beteiligt ist.

Was ist mit Artikeln, die noch nicht überprüft wurden?


Gerade in Fällen, in denen die Veröffentlichung von Studienergebnissen mit Spannung erwartet wird – wie es etwa in der eingangs erwähnten Corona-Krise der Fall war – werden schon Vorabversionen von Studien oder Artikeln veröffentlicht. Bei diesen kann sich allerdings bis zur finalen Version noch einiges verändern.

Solche Studien und Paper, die noch kein Peer-Review durchlaufen haben, werden als Pre-Prints, Working Paper oder Preview bezeichnet. Diese sind in den naturwissenschaftlichen Fächern deutlich üblicher als in den Sozialwissenschaften, aber wie bereits erwähnt, stets mit Vorsicht zu genießen.

Welche Relevanz hat das Ganze für dich?


Du fragst dich nun bestimmt, warum das für dich in der Praxis relevant sein soll. Wenn du etwa am Ende deines Studiums deine Abschlussarbeit oder ein Paper in einem wissenschaftlichen Fachmagazin veröffentlichen möchtest, solltest du bestenfalls schon mit der Praxis des Peer-Reviews vertraut sein, da dein Text höchstwahrscheinlich einem solchen unterzogen werden wird.

Außerdem ist das Peer-Review inzwischen insgesamt kaum mehr aus dem Wissenschaftsbetrieb wegzudenken, da es eine einfache aber effektive Maßnahme ist, um die Qualität der Beiträge, die in hochrangigen Wissenschaftsjournalen veröffentlicht werden, hoch zu halten. Wenn du vielleicht ernsthaft eine Karriere in der Wissenschaft anstrebst, kann es außerdem gut sein, dass du in dieser selbst zur überprüfenden Person wirst.





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