Was unterscheidet ein Lektorat von einem Korrektorat?

Was ist ein Korrektorat, was ist ein Lektorat und wie unterscheiden sich die beiden?

Die Aufgaben des Korrektorats sind es, die formalen Fehler einer Schreibarbeit (Artikel, Aufsätze, Bücher, Bachelor- oder Masterarbeiten, …) zu ermitteln. Diese sind: Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik, Schreibweise, Sprachstil und Sachlichkeit.

Die Hauptaufgabe des Lektorats ist es, Schreibarbeiten zu lesen. Sein besonderes Augenmerk gilt dem Inhalt im Hinblick auf Argumentation, Kausalität und die Aspekte, die in den Bereich des Korrektorats fallen. Es ist nicht seine Aufgabe den Inhalt thematisch zu verändern. Das darf er gar nicht (Plagiatsverdacht).

Unterschied zwischen Korrekturlesen und Lektorat

Während das Korrektorat an einer Schreibarbeit eine reine Fehlerkorrektur vornimmt, glättet das Lektorat inhaltliche Unebenheiten. Gemeint ist damit also die inhaltliche Verbesserung einer Schreibarbeit mit dem Ziel einer allgemeinen Verständlichkeit für Leserinnen und Leser.

Wann ist ein Korrektorat beziehungsweise ein Lektorat sinnvoll?

Allgemein kann gesagt werden: Sobald eine Schreibarbeit auch für andere bestimmt ist (Zeitung, Fachzeitschrift, Buch, universitäre Schreibarbeit), sind Korrektorat und Lektorat sinnvoll. Jedoch entscheiden Umfang und Inhalt einer Schreibarbeit (Aufsatz im Vergleich zur Masterarbeit) über die Wahl der Unterstützung. Können diese Aufgaben Freunde oder Kommilitonen übernehmen, eine universitäre Einrichtung, die sich darauf spezialisiert hat, oder ein honorarpflichtiges Unternehmen. Vier Gründe können die Wahl erleichtern:

1. Glaubwürdigkeit

Je verständlicher eine Schreibarbeit verfasst ist, desto klarer und deutlicher ist sie für Leserinnen und Leser. Denn die Sätze (Syntax) bringen den Inhalt (Semantik) in einen logischen Zusammenhang. Dies erzeugt Glaubwürdigkeit. Schachtelsätze, die den Sinn eines Sachverhaltes entfremden, erzeugen Unglaubwürdigkeit. Kausalketten, die keinen Sinn in Bezug zum Sachverhalt ergeben, erzeugen den gleichen Effekt. Tippfehler aufgrund von Rechtschreibung (Orthografie), Satzzeichen (Interpunktion) und falsche grammatikalische Konstrukte senken die Qualität einer Schreibarbeit ebenfalls. Dies ist besonders für wissenschaftliche Arbeiten (Abschlussarbeiten wie Bachelor- und Masterarbeit) von bedeutender Wichtigkeit.

2. Klugheit

Falscher Stolz nützt niemandem. Endlich, nach Wochen ist die Arbeit fertig geschrieben und dreimal Korrektur gelesen. Schon in dem Moment, als ein Entwurf der Schreibarbeit an den Professor gemailt wird, kommen erste Zweifel auf. Und richtig, auf einmal findet sich doch noch der ein oder andere Fehler. Doch jetzt ist es zu spät. Im Ergebnis können sie sich in einer schlechteren Note widerspiegeln und die steht dann fest. Zwar gibt es den Ausspruch „Aus Fehlern wird man klug“. Doch hat er hier nichts zu suchen. Der professionelle Blick und die Unterstützung durch eine Person, deren Aufgabe das Korrektorat und/oder Lektorat ist, kann hier im wahrsten Sinne des Wortes „Leben retten“.

3. Vier-Augen-Prinzip

Schreiberinnen und Schreiber sind auf eine Weise natürlich befangen. Ihnen fällt nicht mehr auf, dass sie aus Versehen ein simples Wort, das mehrmals in der Schreibarbeit vorkommt, falsch geschrieben haben. Oder es wird auf einmal der Akkusativ mit dem Nominativ vertauscht. Gegen diese Betriebsblindheit hilft es, wenn eine ausstehende Person aus der Sicht eines Korrektorats und/oder Lektorats die Schreibarbeit kritisch analysiert.

4. Anpassung

Unklare Formulierungen können einen Satz und den ganzen Kontext infrage stellen. Ebenso wie klassische Rechtschreibfehler oder doppelte Leerzeichen. Dies fällt in einem nicht lektorierten Text den Schreiberinnen und Schreibern nicht mehr auf. Zudem kommt noch eine weitere Krux dazu. Oftmals sind es, auch wenn das merkwürdig klingt, gerade die Sätze, in denen eine objektiv unklare Formulierung vorkommt, diejenigen, gegen deren Änderung die Schreiberinnen und Schreiber sich energisch wehren. Denn gerade diese Sätze seien so besonders (der Effekt heißt „Kill your darlings“). Ein professionelles Lektorat bemängelt solche Sätze und wird auf eine Änderung drängen. Indem solche Vorschläge angenommen werden, verbessert sich der Schreibstil nicht nur in dieser Arbeit, sondern auch in den Zukünftigen.

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